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1928

-Nationalsozialisten in Wien fordern ein Auftrittsverbot für Josephine Baker
-Die Deutsche Reichsbahn setzt die ersten elektrischen Züge ein
-Max Schmeling wird Deutscher Meister im Boxsport
-Einführung einheitlicher Autokennzeichen im Deutschen Reich
-Reichstagswahl: SPD 29,8%, DNVP 14,2%, Zentrum 12,1%
-In Wien wird der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gefordert
-Der Hamburger SV wird Deutscher Fussballmeister
-Alexander Fleming entdeckt das Penicillin
-Das Redeverbot in Preußen für Adolf Hitler wird aufgehoben.
 

75 Jahre

Die TELL – KOMPANIE im Wandel der Zeit
 

Es war die „Schlechte Zeit“ zu Ende der 20iger Jahre, von der unsere Altvordern gelegentlich sprachen. Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not hatten um sich gegriffen. Und es war auch die beginnende unselige nationalsozialistische Zeit.
Was die Initiatoren um Theodor Noble, der zu dieser Zeit 42 Jahre alt war, dazu bewogen hat, eine neue Schützenkompanie zu gründen, ist uns heute konkret nicht mehr bekannt. Vorstellbar ist, dass man auch einen zusätzlichen Halt gesucht hat, der in Zeiten der Not helfen sollte. Denn dass der Zusammenhalt gross war, ist vielfach mündlich überliefert. Weiter möglich ist, dass damit auch bereits an das 500jährige bestehen der Bruderschaft im Jahre 1931 gedacht wurde.
Die Kompanie nach dem schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell zu benennen, war in dieser Zeit, orientiert am geographischen Umfeld, sehr beliebt.

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Inspektor Noble hatte seine Mitarbeiter vom heutigen Wasser- und Schifffahrtsamt, damals im Volksmund „Strombau“ genannt, um sich geschart. Hinzu kamen noch einige Mitarbeiter der Papiermühle in Einbrungen, mit dessen Inhaber Weyer er wohl gute Beziehungen pflegte. Hans Weyer, Sohn des Inhabers, wurde später auch Kronprinz.
Damit sind auch schon zwei Sponsors genannt, die einen Grossteil der Kosten für die Ausstattung getragen haben.
Die erste Fahne hatte der berühmte Maler Franz-Josef Klemm entworfen, dessen Nachbar und Freund Noble war. Einer der Noble-Söhne hat für den „Tell“ Modell gestanden.
Auffallend war, dass alle Gründungsmitglieder Bewohner von Wittlaer und Einbrungen waren. Bockumer und Froschenteicher kamen später hinzu.
Die Erstausstattung war für eine Schützen-Kompanie schon ziemlich umfassend. Zu einem Jackett kamen der Hut mit Gamsbart. Säbel wurden nicht getragen. Stattdessen schaffte man Hirschfänger an. Der Stil musste gewahrt werden: Wilhelm Tell war ja u.A. auch Jäger.
Das Jackett war aus einem leichten Stoff gefertigt. Damals sagte man „Joppen“. Diese Joppen, befreit von den Schützenapplikationen, wurden später während der Kriegszeit, „aufgetragen“.

Die Kompanie muss dann wohl im Laufe der Zeit eine gute Entwicklung genommen haben. Gleich im Gründungsjahr konnte sie den Schützenkönig stellen! Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte sie dann noch vier Mal das Schiessglück. Davon alleine zweimal Theo Noble.
Von dieser guten Schützenzeit zeugen heute noch die grossen Plaketten am Königssilber.
Diese Zeit ging für alle Schützenbruderschaften mit der Machtübernahme zu Ende. Das sichtbare Schützenwesen wurde mit den Verboten aus dieser Zeit auf seine Anfänge reduziert. Es blieb eine Betbruderschaft, die auch im nachfolgenden zweiten Weltkrieg im Stillen weiterwirkte, denn während dieser Zeit war der Vorstand der Bruderschaft und der Kompanie immer funktionsfähig.

Auch nach dem Kriege war die Not wieder gross. Die meisten Schützen hatten dringend damit zu tun, sich ihr neues Leben wieder aufzubauen.
Bereits 1948 fand wieder das erste Schützenfest statt. Wenn auch in bescheidenem Rahmen.
Einer der ersten Schützenkönige wurde wieder Theo Noble (1949). Er bewies damit seinen Ehrgeiz, dem Schützenwesen zu neuem Leben zu verhelfen.
In diesem Jahre wurde er auch zum Brudermeister gewählt. Dieses Amt hatte er schon von 1931-1936 inne.
Die nachfolgenden Jahre wurden zum Aufbau und zur Festigung der Kompanie genutzt. Man schaffte es sogar schon wieder, sich mit neuen Uniformen auszustatten, die von nicht geringer Qualität waren. Zum hellgrünen Jackett und schwarzem Hut wurde natürlich das weisse Hemd mit weisser Fliege(!) getragen. Diese Fliege erwies sich aber dann als unpraktisch und wurde später durch eine grüne Krawatte ersetzt.

In den fünfziger Jahren nahm die Kompanie mit ihrer Fahne grundsätzlich an den obligatorischen Jungschützentreffen in der Umgebung teil. Der erste Jungschützenmeister (Später Brudermeister) war unser Mitglied Heinz Hundgeburt!

Es folgte eine grosse Zeit der Kompanie. Die Mitgliederzahl stieg bis auf 34 Mitglieder. Man stellte den Schützenkönig viele Male, z.T. auch in Serien. So z.B. je viermal von 1954-1958 und von 1960-1964.

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Die Organisationsstruktur war nach aussen hin streng militärisch, wie die „Gedienten“ es kannten. Hauptleute, Oberleutnante, Fahnenoffiziere, bis hin zum Spiess im Range eines Ober-Feldwebels.
Das war das Bild, das die Kompanie nach aussen darstellte. Intern hatten alle diese Offiziere nur eingeschränkte Vollmachten. Die gestandenen Mannsbilder, geformt von der Kriegszeit und vom Neuaufbau, überliessen nicht gerne Anderen die Entscheidungen. Bis zu sechs bis sieben Mal im Jahre fanden Versammlungen statt, bei denen lange und ausgiebig Anstehendes diskutiert wurde. Nach Ende der Versammlungen wurde „Nachgekartet“, von Tauben- und Hühnerzucht bis zu den Neuigkeiten aus der Nachbarschaft und den Molesten der Angehörigen
(Zu Hause Fernsehen kam erst später, bzw. war noch nicht so beliebt).

Man hatte in der Dorfgemeinschaft durch die Not Zusammenhalt gefunden. Das setzte sich dann auch in der Kompanie fort. Man kannte sich, man respektierte sich und man pflegte eine gute Kameradschaft.
Auch auf Traditionen wurde grossen Wert gelegt. Der erste Fahnenträger (seit 1928) Sebastian Zensen hat auf dem Sterbebett seinem Schwiegersohn das Amt (die „Fahn“) anvertraut, mit der Bitte, sie bis an sein Lebensende zu tragen. Der Ehemann seiner Enkelin trägt sie noch heute.
Missstimmungen kamen natürlich auch vor. Es war eine der wichtigsten Aufgaben von Kompanieführer und Stellvertreter, diese aus der Welt zu schaffen. In den meisten Fällen gelang das sehr gut.

Missklänge wurden abgebaut und Zeitvertreib geschaffen durch regelmässige Kameradschaftsabende die in den 60er und 70er Jahren berühmt-berüchtigt waren. Sie waren auf jeden Fall „grosse Klasse“.
Seit 1962 wurde auf einen Vogel geschossen um den Titel des Kompaniekönigs. Der Erste in der bis heute langen Reihe war Hans-Josef Busch.

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Ab 1986 schossen auch die Damen in einem Wettbewerb um die Kompanieköniginnen-Würde. Sie wollten nicht mehr nur als Begleiterin des Kompaniekönigs automatisch Kompaniekönigin sein.

Die erste Appelkönigin war Candy Körner.
Die Bezeichnung „Kompaniekönigin“ wurde aufgrund einer amüsanten Episode in „Appelkönigin“ umgewandelt.
Ein Mitglied fand auf dem Nachhauseweg vom Schiessstand aus, eine Menge herrliche orangeroter Kirschäpfel (Hahneäppel). In Ermangelung einer besseren Gelegenheit packte er damit seinen Hut voll. Zu Hause aufgefädelt ergab sich daraus eine schöne Kette. Die Kette wurde in diesem Jahre aus Spass vom Kompanieführer bei der Prozession getragen. Im nächsten Jahre trug diese Kette aus wiederum frischen Kirschäpfeln dann die Kompaniekönigin. Daraus wurde aufgrund dessen dann die „Appelkönigin“.
Leider wurde dieser Kirschapfelbaum dann später gefällt. Eine Appelkönigin stiftete später die heute noch getragene Plakette in Apfelform.

Weitere Schiesswettbewerbe sind das Pokalschiessen (Theo-Noble-Pokal) und das Meisterschiessen (Kompaniemeister).
Rührt doch das „Schiessspiel“ aus den ältesten Zeiten. Mitte des vorigen Jahrhunderts war der Ausruf zu vernehmen: „Turner, Sänger und Schützen sind des Landes beste Stützen“!
Das gesellschaftliche Leben wird auch heute noch angeregt durch verschiedene Kegelabende und gelegentliche Ausflüge.
Seit 1968 hat die Kompanie für die Bruderschaft eine Aufgabe übernommen, die recht schwierig wurde und oft grosse Probleme bereitete: Die Dekoration des „Thrones“ für das jährliche Schützenfest im Festzelt. Schwierig ist die Aufgabe deshalb, weil der Thron sofort beim Eintritt in das Zelt voll im Blickpunkt der oft kritischen Besucher liegt. Einhellige Meinung ist, dass wir im fiktiven Wettbewerb mit den Nachbargemeinden sehr gut abschneiden.
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Das Mitarbeiten für den Schützengedanken war schon immer ein grosses Anliegen der Kompanie. Stellte sie doch alleine seit 1928 25 Schützenkönige und 11 Kronprinzen! Die Beteiligung an der Vorstandsarbeit im geschäftsführenden und erweiterten Vorstand ist obligatorisch. Viele Jahre lang bestand der Vorstand der Bruderschaft ausschliesslich aus Mitgliedern unserer Kompanie.


Jungschützenmeister, Schülerschützenführer und Schiessmeister stellten sich für die Gemeinschaftsarbeit zur Verfügung.

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Allmählich veränderte sich der Charakter der Kompanie. Mit dem Eintritt der Schützen aus der Folgegeneration der „Kriegserleber“ veränderten sich auch die Prioritäten. Die Familien der jüngeren Leute mit jungen Kindern forderten mehr Aufmerksamkeit. Das moderne Berufsleben mit seinem oft übermässigen Stress, verschiedene Hobbys und mehr Mobilität bewirkten, dass nicht mehr so oft Zeit für die Kompanie da ist. Trotzdem hat sich aber die Intensität des Schützenlebens nicht verändert. Man trifft sich eben nicht mehr so oft, weil auch andere Gemeinschaftsinteressen wahrgenommen werden. So sind das soziale Engagement und der Einsatz für die Kirchengemeinde zunehmend und dem Schützenleben gleichwertig.
Nicht nur ausserhalb der Kompanie, sondern auch in unserer kleinen Gemeinschaft hat das soziale Engagement einen hohen Stellenwert. Älteren und kranken Mitgliedern versuchen wir nach besten Kräften zu helfen. Die Witwen unserer verstorbenen Mitglieder bleiben in die Kompanie eingebunden, so sie es wünschen.
Nicht nur die jungen Leute brachten Veränderungen. Auch das äussere Bild der Kompanie hat sich allmählich gewandelt, weil zwei einschneidende Massnahmen getroffen wurden.
Zu erst wurde eine neue Fahne angeschafft. Die alte Klemm-Fahne war den Witterungsbedingungen nicht mehr gewachsen und schon arg ramponiert. Mindestens der ideelle Wert musste erhalten bleiben. Sie bleibt gut verwahrt und wird nur noch zu besonderen Anlässen gezeigt.
Die Jacketts unserer Schützentracht wurden über die vielen Jahre immer wieder an junge Mitglieder weitergegeben und hatten im Laufe der Zeit doch sehr gelitten. Viele waren zerschlissen und sahen sehr unleidlich aus. Man fühlte sich nicht mehr wohl darin. Nach langen Diskussionen, handelt es sich doch um eine kostenträchtige Investition, entschlossen wir uns zur Neuanschaffung.
Bei einem gemeinsamen Ausflug zur Uniformenfabrik fiel dann die Entscheidung über Form und Farbe.
An beiden Anschaffungen hatte unser verstorbener Kompanieführer Bert Jägers, zuletzt bereits todkrank, entscheidend mitgewirkt.
In diesen Tagen herrscht zwar nicht die Not der „schlechten Zeit“ wie in den Jahrzehnten vor dem Krieg, doch müssen wir bei der derzeitigen weltpolitischen und wirtschaftlichen Lage in gleicher Weise als „Eidgenossen“ zusammenstehen.

Kompanieführer der TELL-Kompanie

Theodor Noble1928 - 1932
Johann Langen1932 - 1962
Adam Enger1962 - 1965
Willi Wilms1965 - 1972
Hans-Josef Busch1972 - 1976
Hubert Jägers1976 - 2001
 Rainer Clement, komm. 2001 - 2002
Edgar Hirtz2002 - dato


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Nachruf
auf verdiente Schützen und liebe Freunde

Hubert „Berti“ Jägers,
verstorben zu Ostern, am 15.04.2001.
Mit ihm haben wir unseren Kompanieführer verloren. Dieses Amt hatte er mehr als 25 Jahre lang bekleidet. Übernommen hatte er diese verantwortungsvolle Tätigkeit zu einer Zeit, als die Kompanie kurzzeitig in einem desolaten Zustand war. Dank seines Engagements und seines Einfühlungs- und Führungsvermögens wurde sie wieder zu einer geschlossenen Gruppe. Zu seiner Tell-Familie, wie er immer sagte.
Eingetreten in die Bruderschaft 1958 wurde er im Verlaufe der Zeit geehrt mit dem Silbernen Verdienstkreuz, dem Hohen Bruderschaftsorden und dem St. Sebastianus-Ehrenkreuz. Vor der Zeit als Kompanieführer bekleidete er 13 Jahre lang das Amt des Kassierers und war auch für kurze Zeit Schriftführer. Er wurde zwei Mal Kompaniekönig, vier Mal Pokalsieger und einmal Kompaniemeister.
Er war bereits als Kleinkind mein Spielkamerad, wir waren lange Zeit Nachbarn und wurden Freunde. Während meiner Zeit als Kronprinz gehörte er meinem Hofstaat an.

Peter Schönwasser,
verstorben zu Pfingsten, am 04. Juni 2001.
Eingetreten in die Bruderschaft 1964. Zuvor lange Mitglied der Bruderschaft Langst. Schnell wurde er durch sein ruhiges und ausgeglichenes Wesen ein beliebter Schützenbruder. Durch tragische Umstände wurde er unheilbar krank. Diese Krankheit hinderte ihn bald, mit uns aktiv zu sein. Auch er war Mitglied meines Hofstaates.

Josef „Jüppi“ Hilgers,
verstorben am 18. Oktober 2001.
Eingetreten in die Bruderschaft 1965. Jüppi wurde bereits in jugendlichem Alter schwer krank und erwerbsunfähig. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, stets eines der aktivsten Mitglieder zu sein. Lange Zeit fungierte er als Fahnenbegleiter und konnte einmal Kronprinz werden. Für seine aktive Teilnahme am Schützengeschehen bekam er das Silberne Verdienstkreuz verliehen. Er wurde einmal Kompaniekönig und zwei Mal Pokalsieger.
Nach guter Tradition trugen wir alle Verstorbenen in ihrem Sarg zur letzten Ruhestätte.
Wir trauern um Sie mit Ihren Angehörigen.
Willi Abels